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Mörderballaden
Der
kalifornischste Gouverneur ist ein Österreicher, die
gigantischsten Hollywoodproduktionen macht ein Deutscher, und der
Weltmeister im Hot-Dog-Verputzen ist ein Japaner. Da verwundert es
nur wenig, daß eines der großartigsten Americana-Alben dieser Zeit
ausgerechnet aus Norwegen kommt. Die Urheber nennen sich
stilsicher Helldorado und tragen gleich zur Eröffnung ihres Albums
"The ballad of Nora Lee" mit dem Titeltrack mal so richtig dick
auf. Der Song hätte auch Nick Cave bei seinen "Murder ballads" gut
gestanden, ein fettes Polster aus warmen Streichern lädt ein, die
todtraurige Story angemessen zu beweinen, und der Gesang erinnert
an einen Michael Stipe auf dem Weg nach Reno.
Helldorado orientieren sich
durchweg an amerikanischen Folkstandards, geben sich aber nie mit
der schnöden Reproduktion des schon so oft Gehörten zufrieden. Die
Norweger mischen Traditionelles wie Country und Blues mit genauso
bewährtem wie Westcoast-Songwriter-Rock, Beat und Surf und
schaffen es tatsächlich, aus diesen sattsam bekannten
Ausgangsmaterialen einen ganz eigenen Stil zu kreieren, der
tatsächlich das Prädikat "Trademarksound" verdient.
Dabei klingen Helldorado
authentischer als so manche Produktion aus dem Heimatland ihrer
Musik. Sänger Dag Vagle pflegt einen breiten Südstaatenakzent,
während die Instrumentalfraktion Bilder von staubigen Straßen,
kakteenumstandenen Bars und umherwehenden Dornenbüschen direkt vor
das geistige Auge pinselt. Hier gibt es Dramen an lauen
Sommerabenden, schicksalhafte Begegnungen in mittäglicher
Gluthitze und Whiskey am Lagerfeuer statt Wodka bei
Mitternachtssonne.
Die vier Akteure stecken dabei
ihr Revier weiträumig auf dem Gebiet der allamerikanischen
Folklore ab. Tex-Mex-Gebläse, Delta-Bluesharp und die dickhalsige
Resonatorgitarre bilden nicht etwa die Eckpunkte, sondern vielmehr
das Zentrum des Helldorado-Landes. Und obwohl das Gebiet so weit
wie Norwegen lang ist, gibt es hier doch keinen einzigen
langweiligen Ort. Manches mag unscheinbar sein, doch hier
entfaltet wirklich jeder Song eine Eigenartigkeit und - manchmal
etwas herbe - Schönheit. Vielleicht sollte ein Norweger
Amerikanischer Präsident werden. Das täte der Welt gut.
(Rüdiger Hofmann) |
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